Bullshit-Buster
Allgemeines über Bullshit
Bullshit bezeichnet eine bestimmte Textsorte, welche überraschend schnelle Verbreitung findet. Sie zeichnet sich insbesondere dadurch ab, dass Informationen verbreitet werden, die entweder absichlich falsch und irreführend oder einfach nur schlecht recherchiert und deswegen voller Fehler steckt.Der Ursprung von Bullshit, so erklärte der führende Experte H.G.Frankfurt [1], werde aus der Not geboren, eine Meinung zu jedem Thema zu haben, jedoch nicht über jedes Thema informiert zu sein. Diese gefährliche Mischung sorgt dafür, dass Informationen zu Themen, auf denen man sich nicht auskennt, angeeignet und weitergegeben werden.
Während Bullshit normalerweise durch Fachpersonen zerstreut wird und aus der täglichen Diskussion am Stammtisch oder auf der Strasse verschwindet, hält er sich im Internet länger. Zahlreiche Autoren greifen fälschlicherweise Bullshit als korrekte Information auf und verarbeiten sie auf ihren Seiten. Dort bleibt der Bullshit noch Jahre nach seiner Aufklärung hängen, da sich keiner die Mühe macht, ihn zu entfernen.
Da im Internet zeitversetzt auf Seiten zugegriffen werden kann, wird dieser alte, bereits als solcher entlarvte Bullshit stets wieder aufgewärmt und auf neue Seiten transportiert. So auch in Foren und Newsgroups, wo er weitere Menschen desinformiert.
Genau aus diesem Grund wurde das Projekt Bullshit Buster auf dieser Seite ins Leben gerufen. Ziel des Projektes soll es sein, den gängigsten Bullshit an dieser einen Stelle durch wissenschaftlich fundierte und nachvollziehbare Fakten zu widerlegen.
Dies ist besonders deswegen wichtig, weil immer mehr gesundheitsschädigender und teurer Bullshit verbreitet wird.
Humoristischer Bullshit:
Dihydrogenmonoxid
Dihydrogenmonoxid, gewöhnlich als DHMO abgekürzt, ist eine gefährliche Substanz, welche nicht nur als Hauptbestandteil des sauren Regens bekannt ist und bei Inhalation töten kann, sondern ist auch in den meisten Lebensmitteln enthalten.
Eine ganze Reihe weiterer beunruhigender Fakten über DHMO wurde auf vielen Webistes zusammengestellt und sorgt regelmässig für ein Schmunzeln bei jedem, der Dihydrogenmonoxid als H2O, also Wasser, erkennt. Viele Leute, welche das Molekül nicht gleich erkennen, erschrecken dennoch ab dem makaberen Scherz und Umfragen über DHMO haben nach eigenen Angaben der Befrager ergeben, dass ein Grossteil der Bevölkerung eine Petition unterschreiben würde, welche DHMO in der Nahrungsmittelzubereitung verbietet.
Dieser eher humorvolle Bullshit lässt sich auf vielen Seiten wie der DHMO-FAQ Seite bestaunen.
Intelligent Falling
Intelligent Falling ist eine satirische Antwort auf die Einführung des Fachs 'Intelligent Design' an amerikanischen Schulen. Wie Intelligent Design als Alternative zur Evolutionstheorie von einem kreativen Wesen ausgeht, welches jeweils neue Arten auf die Welt setzt, welche den alten Arten so ähnlich sehen, dass man eine Verwandtschaft vermuten liesse, sind es beim Intelligent Falling kreative Geister, welche jeden losgelassenen Gegenstand auf die Erde legen und damit eine Alternative zur Gravitationstheorie bieten. Solch satirische Auseinandersetzungen mit offensichtlichem Bullshit sind wohl die häufigste Ursache für humoristischen Bullshit im Internet.
Wikipedia-Eintrag zu IF
Church of the Flying Spaghetti Monster
Delfinflossenseife
Paläo-SETI bei den Gebrüdern Grimm
Der oftmals dilettantische Versuch, in der Bibel oder anderen alten Texten nach dem Nachweis für ausserirdisches Leben zu suchen und diesen aufgrund einer kompletten Unfähigkeit, Texte zu verstehen, auch zu finden, gab Anlass zu dieser kleinen Parodie. Mit ähnlichen Schlagworten, wie sie in Paläo-SETI-Kreisen benutzt werden, mit vagen Andeutungen, grotesken Fehldeutungen und etwas Phantasie entstand eine Analyse der Gebrüder Grimm, welche zeigt, dass Mitteleuropa vor 1000 Jahren von Ausseridrischen mit Nukleartechnologie heimgesucht wurde. Den Text gibts hier
Geldgenerierender Bullshit:
Vitamin B17
Vitamin B17 / Amygdalin, oder Laetrile, wie es in der Medizin heisst, ist eine Chemikalie, welche seit Jahren zur Bekämpfung von Krebs angeboten wird. Dies jedoch, ohne jemals eine Studie zur Wirksamkeit gegen Krebs erfolgreich überstanden zu haben.
Pillen mit dem verheissungsvollen Pseudo-Vitamin werden im Internet auf diversen Seiten verkauft und angepriesen. Doch die Beurteilung durch seriöse Untersuchungen fällt sehr nüchtern aus. Bislang konnten nur Todesfälle, nicht aber Krebsheilungen mit der Chemikalie in Verbindung gebracht werden.
Andrew J. Vickers schreibt in seinem Review über Alternative Heilmittel, dass Laetrile, welches unter dem erfundenen Namen Vitamin B17 verkauft wird, nie in einem klinischen Test eine krebslindernde Wirkung erzielt hat.
C.G. Moertel und andere haben in einem klinischen Versuch 187 Krebspatienten mit Laetrile behandelt. Während bei keinem der Patienten eine Verbesserung des Zustandes eintrat, litten mehrere an einer Cyanid-Vergiftung während der Behandlung. Die Konzentration von Cyanid im Blut habe bei einigen die Lethale Dosis beinahe erreicht. Bei 90% der Patienten verschlechterte sich der Zustand rapide, wobei die durchschnittliche Lebensdauer durch die Anwendung auf 4.8 Monate reduziert wurde.
Jonathan Bromley und andere beschreiben einen Fall von Cyanid-Vergiftung durch die Einnahme von Laetrlie. Das Medikament stammte aus Mexiko, wo es ohne Auflagen hergestellt und vertrieben werden kann.
Nachdem die Wirkung von Laetrile als Lebensgefährlich eingestuft werden kann, wurden nicht viele Versuche mit diesem Stoff gemacht. Doch auch von Ärzten, welche es trotz der Gefahr anwenden wurde bislang kein einziger verbriefter Fall einer Besserung gemeldet.
Literatur:
Bromley J. et al, Life-threatening interaction between complementary medicines: cyanide toxicity following ingestion of amygdalin and vitamin C. Ann Pharmacother. 2005, 39(9):1566-9. Moertel C.G. et al, A clinical trial of amygdalin (Laetrile) in the treatment of human cancer. The New England Journal Of Medicine, 1982 306(4):201-206 Vickers A. J., Cassileth B.R., Unconventional therapies for cancer and cancer-related symptoms. Lancet Oncology, 2001, 2(4):226-32
Ozonisiertes Wasser
In Wasseraufbereitungsanlagen wird seit einigen Jahren Ozon ins Wasser geleitet, um Keime abzutöten. Eine derartige Reinigung von Wasser ist für Aufbereitungsanlagen günstig, Risikoarm und sauber. Denn das Ozon zerstört zwar alle Zellen, welche im Wasser schweben könnten, produziert dabei aber nur wenige Schadstoffe. Darunter Wasserstoffperoxyd und einige giftigen Kohlestoffverbindungen (Ketone, Aldehyde und oxidierte Kohlenwasserstoffe). Von diesen Verunreinigungen kann das Wasser aber gereinigt werden.
Die Praxis, Ozon in Wasser einzuleiten, hat jedoch auch einen sehr zweifelhaften Geschäftszweig entstehen lassen. Einige Internet-Betrüger verkaufen 'Heim Ozonisatoren', um das eigene Trinkwasser zu ozonisieren und dadurch der Gesundheit etwas gutes zu tun. Was dabei verschwiegen wird, ist erstens, dass diese Geräte kein Ozon erzeugen und zweitens, dass dies gut ist, weil man sich sonst einem starken gesundheitlichen Risiko aussetzen würde.
Wird Ozon in Wasser eingeleitet, entsteht Wasserstoffperoxyd, welches für den Menschen giftig ist. Trifft Ozon auf Kohlestoffverbindungen im Wasser, so zersetzt es diese zwar, erzeugt dabei jedoch Ketone und Aldehyde, welche den Körper ebenso schädigen können. Es werden auch andere oxidierte Verbdindungen Erzeugt, welche den Körper schädigen, und welche nur dank Antioxidantien im Blut reduziert werden können. Eine noch schlimmere Ausgeburt des Ozonisierungs-Schwindels ist ozonisiertes Olivenöl. Olivenöl besteht aus ungesättigten Fettsäuren, was es für den Körper eigentlich gesund macht. Trifft jedoch Ozon auf eine ungesättigte Fettsäure, wird diese in zwei Aldehyde zersetzt. Unter anderem auch in Formaldehyd (hochgiftig), Ethanal und Propanal (reizend und leicht entzündlich). Auch hier hat der Kunde Glück, dass das Olivenöl nicht wirklich mit Ozon behandelt wurde, sondern nur teurer verkauft wird.
Literatur:
Sykes, P. Reaktionsmechanismen der organischen Chemie, Wiley-VCH, 8.Auflage, 1986.
Zoeteman, B.C. et al. Mutagenic Activity Associated with By- Products of Drinking Water Disinfection by Chlorine, Chlorine Dioxide, Ozone and UV-Irradiation. Environmental Health Perspectives Vol. 46, pp. 197-205, 1982.
Boorman, G.A. et al. Drinking Water Disinfection Byproducs: Review and Approach to Toxicity Evaluation. Environmental Health Perspectives Vol 107 (Supp. t), pp. 207-217, 1999.
Elektromedizin
Anders als gewisse andere Therapien, welche im Internet unter den verschiedensten namen angeboten werden, liegen der Elektromedizin (Zapper, PEMF, Magnetfeldtherapie) tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnisse zu Grunde. Jedoch sind diese bei weitem nicht so positiv, wie dies auf einschlägigen Seiten angepriesen wird.
Elektromedizin wird in der medizinischen Praxis insbesondere angewandt, um Zellwachstum zu stimulieren. Es ist nachgewiesen, dass Knochenzellen schneller wachsen und mehr Knochen bilden, wenn sie unter einem pulsierenden Magnetfeld liegen. Gleiches gilt auch für Haut- und Knorpelzellen. Aus diesem Grund werden heikle Brüche oder Abnutzungen in Gelenken zuweilen durch pulsierende Elektromagnetische Felder therapiert.
Magnetfelder können ausserdem die Ausbildung von Verbindungen zwischen Nervenzellen fördern (auch wenn der therapeutische Nutzen dieses Effektes noch weitgehend unbekannt ist) und sie können chronische Schmerzen senken.
Dass EM-Felder tatsächlich das Immunsystem stärken, ist zuweilen noch umstritten, wenn auch bekannt ist, dass sie die Teilung weisser Blutkörperchen beschleunigen. Dass EM-Felder Krebs, AIDS heilen könnten, wird zwar zuweilen von Anbietern solcher Geräte behauptet, um den Absatz zu steigern, jedoch gibt es dazu keine bestätigenden (sondern eher negative) Studien.
Literatur:
Uzunca K. et al: Effectiveness of pulsed electromagnetic field therapy in lateral epicondylitis. Clin Rheumatol. 26(1), pp. 69-74, 2007.
Hartig, M. et al. Capacitively coupled electric fields accelerate proliferation of osteoblast-like primary cells and increase bone extracellular matrix formation in vitro. Eur Biophys J. 29(7), pp. 499-506, 2000
McCarthy, C.J. et al. Pulsed electromagnetic energy treatment offers no clinical benefit in reducing the pain of knee osteoarthritis: a systematic review. BMC Musculoskelet Disord, 7:51, pp. 1-5, 2006.
Sutbeyaz, S.T. et al. The effect of pulsed electromagnetic fields in the treatment of cervical osteoarthritis: a randomized, double-blind, sham-controlled trial. Rheumatol Int., 26(4), pp. 320-324, 2006.
Gan, J.C. Electrical stimulation therapies for spinal fusions: current concepts. Eur Spine J., 15(9), pp. 1301-1311, 2006.
Musaev, A.V. et al. The use of pulsed electromagnetic fields with complex modulation in the treatment of patients with diabetic polyneuropathy. Neurosci Behav Physiol., 33(8), pp. 745-752, 2003.